In der Schwangerschaft ist Rauchen tabu -

Auch Passivrauchen gefährdet das Ungeborene

 

Raucht die werdende Mutter während der Schwangerschaft, gibt es für das ungeborene Kind kein Entrinnen vor den schädlichen Folgen des Nikotinkonsums. Zigarettenrauch enthält giftige Substanzen wie Blausäure, Ammoniak und Kohlenmonoxid sowie eine Vielzahl Krebs erregender Stoffe. Aber auch durch Passivrauchen der werdenden Mutter wird das Kind im Mutterleib den Schadstoffen mit teils gravierenden gesundheitlichen Schäden und der Beeinträchtigung seiner Entwicklung ausgesetzt.

 

Bonn, 12.07.06 Dass Raucherinnen in der Schwangerschaft ihrem ungeborenen Kind lebenslange Schäden zufügen, ist inzwischen allgemein bekannt. Erschreckend unbekannt sind die ebenso gravierenden Folgen des Passivrauchens für Mutter und Kind während der Schwangerschaft.*

So gelangen viele der im Tabakrauch enthaltenden Schadstoffe – von der nichtrauchenden Schwangeren mit der Raumluft eingeatmet – ungefiltert in den Blutkreislauf des Ungeborenen. Kohlenmonoxid blockiert zum Beispiel die ausreichende Sauerstoffversorgung in den sich entwickelnden Organen. Nikotin verringert die Durchblutung der Plazenta und sorgt auf diesem Weg für eine Minderdurchblutung. Dies kann zu einem verzögerten Wachstum und niedrigen Geburtsgewicht führen. Ebenso gelangen krebserregende Substanzen wie bestimmte Kohlenwasserstoffe und Nitrosamine in den im Mutterleib heranwachsenden Organismus und können dort ihre erbgutschädigende Wirkung entfalten.

 

Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand des BGV, empfiehlt deshalb allen werdenden Müttern und auch ihren Partnern, mit dem Rauchen aufzuhören und mit Nachdruck auf eine rauchfreie Umgebung zu bestehen: „Schwangere haben Anspruch darauf, dass niemand in ihrer Nähe raucht. Sie sollten unmissverständlich fordern, dass sich niemand rauchend in ihrer Nähe aufhält. Eine Schwangerschaft sollte außerdem ein guter Grund für alle Familienmitglieder sein, mit dem Rauchen aufzuhören“.

„Die negativen Folgen des Rauchens für die Entwicklung des ungeborenen Kindes sind gravierend. Vor diesem Hintergrund ist eine ausreichende Beratung und Unterstützung werdender Mütter zum Rauchverzicht in der Schwangerschaft dringend notwendig“, meint Jörg Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des BKK Landesverbandes NRW. Im Rahmen der Aktion „Hallo Baby“ ** wird ein telefonisches Raucherentwöhnungsprogramm als individuelle Einzelberatung angeboten.

 

Alles über die Zeit der Schwangerschaft, wie Entwicklung, notwendige Vorsorge und richtige Ernährung, erfahren Sie in der kostenlosen Informationsbroschüre „9 Monate gesund erleben“. Diese ist kostenlos erhältlich beim BGV, Gotenstraße 164 in 53175 Bonn oder beim BKK Landesverband NRW, Kronprinzenstraße 6 in 45128 Essen oder im Internet unter www.bgv-schwangerschaft.de Dort ist auch ein Faltblatt über die telefonische Raucherentwöhnung abrufbar.

 

*    Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.) Passivrauchende Kinder in Deutschland – Frühe Schädigungen für ein ganzes Leben. Heidelberg, 2003

 

**     „Hallo Baby“: Der BKK Landesverband NRW hat mit Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigungen Consult in Nordrhein und Westfalen-Lippe und des Vereins Integrierte Versorgung NRW e.V. (Landesverband der gyn. Qualitätsnetze / Zirkel u. Vereinigungen) für die Betriebskrankenkassen ein Programm zur Senkung der Frühgeburtenrate entwickelt.

 

Das Programm basiert auf wissenschaftlich gesicherten Informationen, die für einen gesunden Schwangerschaftsverlauf sorgen sollen und bietet den Schwangeren verschiedene Leistungen. Teilnehmen können alle schwangeren Frauen aus Nordrhein-Westfalen.

 

Grund für die Etablierung eines solchen Modells ist die steigende Frühgeburtenrate, die sowohl national als auch international beobachtet wird. Ca. 30% der Frühgeborenen vor der 32. Schwangerschaftswoche sind von bleibenden Störungen betroffen. Ein Großteil dieser Frühgeburten ist bei rechtzeitiger Intervention vermeidbar. Ca. 70% aller Frühgeburten werden durch aufsteigende Genitalinfektionen der Mutter ausgelöst. Aber auch andere Risikofaktoren wie Rauchen, psychische Belastungen, Alkoholkonsum und ungesunde Ernährung können ursächlich für eine Frühgeburt sein. Zurzeit werden deshalb besonders die Risikofaktoren Rauchen und Scheideninfektionen durch entsprechende Module angegangen. Weitere Module zur frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes  sowie Parodontitis sind in Planung. Zusätzlich wird mit dem Programm „Hallo Baby“ eine intensive Aufklärungskampagne über den plötzlichen Säuglingstod verbunden.